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Von wegen Müll: die Frei Cycle in Freiburg

Pullover aus Umzugsdecken, I-Pad-Taschen aus Fischfuttersäcken oder Möbel aus ausgedienten Sportgeräten, auf der 3. Frei Cycle in Freiburg, letztes Wochenende, gab es wirklich alles aus dem Bereich Re- und Upcycling. Als alte Bastelfanatikerin, die auch gerne Altes wieder verwertet, war klar, dass ich mal vorbeischauen musste und da es auch gleichzeitig noch ein Bloggertreffen gab, hatte ich sogar gleich zwei gute Gründe!

freicycle1

Obwohl die Frei Cycle die größte Messe in dem Bereich ist, war doch alles sehr überschaubar – zwei Hallen, über die man sich recht schnell einen Überblick verschaffen konnte. KONNTE – man konnte aber auch einfach ewig brauchen und froh sein, in der mitgebrachten Zeit (fast) alles gesehen zu haben. Wo ich am Anfang noch dachte, ich hätte zu viel Zeit, wurde schnell klar, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist, denn die Verkäufer waren nicht nur ziemlich vielseitig, sondern auch super offen und nett. Ich bin tatsächlich an etlichen Ständen hängen geblieben um mich mit den Jungs und Mädels über die Produkte, aber auch über ganz andere Themen auszutauschen. Und – hätte ich mehr Zeit gehabt – wäre ich bei dem ein oder anderen Stand am liebsten geblieben. So kleine Messen haben eben doch einen ganz anderen Charme! Vor allem, wenn die Macher selbst am Stand stehen und keine PR-Leute vorschicken. Für alle, die nicht dort waren, habe ich hier einen kleinen Überblick über einige Stände, die mir besonders gut gefallen haben:

schwarzwald-guerilla

Das Foto oben zeigt in etwa den Empfang, den man hatte, wenn man die Halle betrat: Dominik, der freundlich lächelnd hinter seinen Produkten steht (na gut, für das Foto hat er schon noch etwas Gas gegeben…). Sein Label heißt Schwarzwald Guerilla und die Produkte werden aus Glasflaschen gefertigt: Lampen, Windlichter, Kerzenständer, Vasen – eigentlich so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Die Inspiration dazu stammt ursprünglich aus Kuba, wo man aus der Not heraus alte Flaschen als Trinkgläser wieder verwertet. Dominik holt die Idee in den Schwarzwald, packt noch eine gute Prise Style mit drauf und beglückt uns nun mit einzigartigen Produkten!

recyclist-workshop

Zipper aus Umzugsdecken? Ich war einen Augenblick lang skeptisch, weil ich noch die juckenden und ziemlich unappetitlichen Decken vom letzten Umzug im Kopf hatte. Was Valentin und Lars von Recyclist Workshop allerdings auf der Messe präsentiert haben, kommt dem nur optisch nahe. Tatsächlich wird dieselbe Technik, wie auch bei Umzugsdecken verwendet, um alte Fasern zu neuem Stoff zu verarbeiten, allerdings achten die Jungs genau darauf, was für Fasern benutzt werden. Das Ergebnis: kuschelweiche Zipper aus 100 % recyceltem Material, das auch wieder zu 100 % recycelbar ist. Und für diejenigen, die es zwar ökologisch, aber nicht offensichtlich mögen, gibt es noch „unauffällige“ Pullover und Shirts aus Recycling fasern. Was will man mehr?

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In der sowieso schon gut erhitzten Halle wurde es gleich ein paar Grad wärmer, als ich an den Stand von Romina und Johannes herantrat. Kein Wunder, denn Jolg verkauft Lampen, alte Industrielampen, die sorgfältig gereinigt und neu verkabelt werden. Dafür treiben sich die Sammlernaturen viel auf Flohmärkten herum und ergattern die tollsten Modelle – das Endergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen und hätte ich nicht schon eine alte Industrielampe mit Textilkabel, wüsste ich jetzt genau, wo ich sie kaufen würde!

monocotoc

Sehr bunt ging es bei MONOCOTO creation zu. Die liebe Mai verwertet alte Kimonos wieder und kombiniert sie mit europäischen Stoffen, wie z.B. Gardinenstoffe aus Hotels. Daraus entstehen wunderschöne Rucksäcke, Schmuck, Haarspangen und sogar Schuhe. Es ist die Verschmelzung von japanischer und deutscher Kultur, die dem Design von Mai einen unverwechselbaren Charakter gibt. Bunt, blumig und einfach wunderschön!

meermilch

Zement- und Fischfuttersäcke – klingt erst mal weder schön, noch besonders appetitlich. Wenn sich aber die liebe Sigrun von Milchmeer und ihre Näher- und Designerinnen mit dem Material befassen, entstehen richtig coole Taschen, Laptophüllen oder sogar Wimpelgirlanden. Sigrun arbeitet mit Frauen aus Kambodscha zusammen, schafft dort feste Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen und schont durch das Upcycling-Projekt auch noch die Umwelt. Die Taschen werden übrigens nicht extra bedruckt. Fische, Elefanten und Co sind bereits auf den ursprünglichen Säcken zu finden.

menage-a-deux

Dass ich am Stand von menage a deux hängen bleibe, war ja klar – ihr kennt ja bestimmt meinen Hang dazu, Dinge zu besticken, die nicht gerade Stoff sind. Und  Fred und Ani haben diese Diziplin perfektioniert! Anhänger, Schubladen, Kleiderhaken, Hocker – einfach alles wird hier mit Bohrmaschine und Garn bearbeitet – Heraus kommt eine wahnsinnig vielfältige Kollektion, bei der ein Teil hübscher ist, als das andere. Dass nicht nur viel Talent, sondern auch eine dicke Portion Liebe hinter dem Label steckt, konnte man auch an der liebevollen Standgestaltung sehen. Da hätte ich mir am liebsten einen Tee gebraut und mich auf den mit einem Boot bestickten Hocker niedergelassen…

schmucklich

Ich bin ja nicht so der Vorzeige-Schmuckträger, aber der Stand von Petra hat es mir trotzdem ziemlich angetan. Unter dem Label Schmucklich fertigt sie wunderbare Schmuckstücke aus ausgedienten Materialien. Ziffernblätter alter Uhren, Tasten einer Schreibmaschine oder Figuren von Modelleisenbahnen werden von ihr zu Unikaten verarbeitet. Mir haben es ja besonders die kleinen Figuren angetan, die scheinbar aus ihrem Schmuckstück ausbrechen wollen – oder, wie unten, einfach ganz gechillt im Pool sitzen.

schmucklich2

Ich fürchte, mein „kleiner Überblick“ ist doch etwas ausgeartet ;-). Aber so ist das eben, wenn es zu viel schöne Dinge auf einem Haufen gibt. Und ich habe mich schon zurückgenommen – es gab nämlich noch etliche andere Designer, die ich gerne vorgestellt hätte, aber leider würde das dann wohl alle Maße sprengen… Zum Glück findet die Messe nächstes Jahr wieder statt (allerdings unter dem Namen Design), vielleicht kann ich dann den ein oder anderen vorstellen, der jetzt nicht dabei war.

Einkaufen konnte man auf der Messe übrigens auch und ich musste mich schwer am Riemen reißen, nichts mitzunehmen (mein Gepäck war schon auf dem Hinweg viel zu schwer). Dafür habe ich aber jede Menge Inspiration und nette Gespräche mitgenommen!

Liebe Grüße und bis bald!

Liska

3 Kommentare

  1. Liebe Liska,
    oh was für eine coole Messe, DAS hätte mir sicher auch unglaublich gut gefallen…. und der Schmuck mit den alten HO-Figuren ist einfach nur mega!!!

    Liebe Grüße
    Pamy

  2. Oh, da habe ich ja ein echtes Highlight verpasst! Ich kann mir vorstellen, dass es da irsinnig viel zu schauen und zu plaudern gab – wie schön! Danke für die Einblicke. Ich halte da nächstes Jahr mal Ausschau danach (und spare schon mal…).
    Lg. Susanne

    • Liska sagt

      Schade, ich hatte sogar noch eine Eintrittskarte übrig… Aber nächstes Jahr ist die Messe ja wieder. Falls Du es schonmal vormerken willst: 26/27. November 2016 und die Messe heißt dass Design.
      Liebe Grüße
      Liska

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